Von Nadine am 05. MÄRZ 2015

Mysterium Kreisverkehr: MietwagenCheck klärt auf

Verkehrsregeln

Ü berall in deutschen Städten gibt es ihn heutzutage: Den Kreisverkehr. Kurz: Kreisel. Aber seit wann gibt es überhaupt Kreisverkehre? Sind Kreisverkehre sicherer als Kreuzungen und wie verhält man sich laut der StVO richtig im Kreisverkehr? Antworten auf all diese Fragen und viele weitere Infos finden Sie hier.

Geschichte des Kreisverkehrs

Kreisverkehr um den Triumphbogen

Kreisverkehr um den Triumphbogen

Die ersten Kreisverkehre gab es bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Einer der ersten wurde 1907 rund um den Triumphbogen in Paris eingerichtet und ist bis heute einer der bedeutendsten Kreisverkehre der Welt. Frankreich ist sowieso das Land, das in der Anzahl an Kreisverkehren als absoluter Spitzenreiter voranschreitet. Mit 20 000 Kreisverkehren besitzt es in etwa die Hälfte aller weltweit vorkommenden Kreisverkehre.

In Deutschland waren Kreisverkehre seit Beginn des 20. Jahrhunderts ebenfalls gang und gäbe, bis es in den 60er Jahren immer mehr Missverständnisse hinsichtlich einer einheitlichen Beschilderung gab. Kreisverkehre wurden daraufhin immer häufiger in ampelgerechte Kreuzungen umgebaut. Seit in den 90er Jahren einheitliche Regelungen für das Verhalten im Kreisverkehr in die StVO aufgenommen wurden, nahm der Bau an Kreisverkehren wieder erheblich zu. Besonders viele Kreisverkehre befinden sich im Bundesland Baden-Württemberg.

Kreisverkehr vs. Kreuzung: Das Sind die Vorteile

Die Vorteile eines Kreisverkehrs gegenüber einer Kreuzung liegen vor allem in der niedrigen Geschwindigkeit der durchfahrenden Fahrzeuge und im kontinuierlichen Verkehrsfluss. Außerdem ist die Anzahl der Konfliktpunkte wesentlich geringer. Folgende Grafik veranschaulicht die Konfliktpunkte einer üblichen Kreuzung mit vier Zufahren gegenüber einem Kreisverkehr.

Konfliktpunkte Kreisverkehr

Quelle: In Anlehnung an Kölner Stadtanzeiger, online unter: http://www.ksta.de/rodenkirchen/verkehr-mehr-kreisel-statt-ampeln,15187572,16752424.html

Außerdem ist die Organisation des Verkehrs wesentlich einfacher. Während eine Kreuzung mit vier und mehr Zufahrten über eine Ampelschaltung sehr komplex zu steuern ist, ist die Anzahl der möglichen Zufahrten bei einem Kreisverkehr nur von der Größe des Rings abhängig. Gut geplante Kreisverkehre können in Großstädten ein sehr hohes Verkehrsaufkommen auf ein Minimum an Stau reduzieren. Ein weiterer Vorteil sind die wesentlich geringeren Wartungskosten gegenüber einer Ampelanlage. Der Bau von Kreisverkehren benötigt allerdings mehr Platz und kann damit nicht überall umgesetzt werden.

Gegenüber einer Kreuzung gilt der Kreisverkehr auch als übersichtlicher. Dadurch laufen Unfälle, wenn sie passieren, weniger wuchtig ab.

Ein besonders ökologischer Vorteil ist das geringere Aufkommen von Abgasen, da weniger Angefahren werden muss.

Ein Kreisverkehr birgt aber auch Nachteile: Gegenüber einer Kreuzung bedarf ein Kreisverkehr wesentlich mehr Platz. Dieser Platzbedarf reguliert sich allerdings mit der Größe. Bei großen Kreuzungen wird in etwa gleich viel Platz beansprucht. Außerdem sind sehr stark befahrene Kreisverkehre unfallträchtiger, da Lücken risikoreich genutzt werden.

Wichtige Verkehrsregeln: Wie verhalte ich mich richtig im Kreisverkehr?

Vorfahrt gewähren im Kreisverkehr

Vorfahrt-gewähren-Schild Nr. 205 und Kreisverkehrsschild Nr. 215 nach StVO

Vorfahrt vs. Rechts vor Links: In der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist der Kreisverkehr im § 8 geregelt. Im Sinne der StVO muss jeder Kreisverkehr durch eine blaue Ronde mit drei sich verfolgenden weißen Pfeilen, dem Kreisverkehrsschild Nr. 215 sowie einem Vorfahrt-gewähren-Schild gekennzeichnet sein. Sind diese Schilder nicht vorhanden, handelt es sich trotz der Möglichkeit im Kreis zu fahren um eine „normale“ Kreuzung und es gilt die Rechts-vor-Links-Regel.

Folgendes Beispiel veranschaulicht die Situation:

Ein blaues Fahrzeug fährt in den Kreisverkehr ein. Zur gleichen Zeit wechselt ein rotes Fahrzeug von der linken Spur im Kreisverkehr auf die Rechte und stößt dabei mit dem blauen Fahrzeug zusammen. Nach der aktuellen Lage gelte hier nun die Regel „rechts vor links“ und das sich im Kreisverkehr befindende Fahrzeug hätte dem einfahrenden Fahrzeug die Vorfahrt gewähren müssen.

Solche Kreisverkehre stammen aus der Zeit vor 2001, als es noch keine einheitliche Kreisverkehrsbeschilderung gab und sind meistens kleiner als die gängigen Kreisverkehre. Sie sind aber sehr selten und meistens nur in Wohngebieten zu finden. Diese Art von Kreisverkehren existiert nur noch deswegen, da ein Kreisverkehr nur dann angeordnet werden darf, wenn die Mittelinsel von der Kreisfahrbahn baulich abgegrenzt werden kann. Ist dies nicht der Fall, bleibt es eine „normale“ Kreuzung.

Blinken im Kreisverkehr: Gemäß §8 Absatz 1 Satz 2 der StVO ist das Blinken beim Verlassen des Kreisverkehrs vorgeschrieben, da so für wartende Fahrzeuge erkennbar wird, ob ein Einfahren möglich ist.

Als Wartepflichtiger darf man sich allerdings nicht darauf verlassen, dass das im Kreis fahrende Fahrzeug korrekt blinkt. Die meisten Autofahrer kennen diese Regel nicht. Daher muss beim Einfädeln auf andere Signale, wie etwa Tempoverminderung oder Einschlagen der Vorderräder geachtet werden.

Halten und Parken im Kreisverkehr: Halten im Kreisverkehr ist nur dann erlaubt, wenn es verkehrsbedingt erforderlich ist.

Fahrtrichtung im Kreisverkehr: Im Kreisverkehr ist das Fahren gegen die Fahrtrichtung nicht erlaubt. Das Zurücksetzen ist ebenfalls verboten. Unnötiges Drehen von Extra-Runden im Kreisverkehr kann die außen Wartenden behindern und verstößt damit bereits gegen den §1 der StVO.

Dieser besagt: (1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Regeln bezüglich der Mittelinsel: Die Mittelinsel eines Kreisverkehrs darf nicht überfahren werden. Einzige Ausnahme bilden besonders lange Fahrzeuge, die sonst den Kreisverkehr nicht passieren könnten. Dafür darf der Rand der Mittelinsel oder wenn möglich die Mittelinsel überfahren werden, sofern eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.

Verschiedene Typen von Kreisverkehren

Grundsätzlich dürfen aus Gründen der Verkehrssicherheit in Deutschland Kreisverkehre nur kreisrund angelegt werden. Um eine bessere Erkennbarkeit zu erreichen und auch um den Kreisverkehr in die Umgebung zu integrieren, hat es sich in den letzten Jahrzehnten eingebürgert, dass die Inselmitten leicht erhöht gartenarchitektonisch oder künstlerisch gestaltet werden.

Allgemein werden drei Typen von Kreisverkehren unterschieden:

mini kreisverkehr

Brauneggerstraße, Konstanz

1. Minikreisverkehre

Durchmesser: 13 – 22 Meter

Minikreisverkehre haben eine überfahrbare Mittelinsel. Die Mittelinsel muss bei Minikreisverkehren überfahrbar sein, da die Kreiselinsel sonst von großen Lastwagen oder Bussen wegen dem großen Wendekreis nicht umfahren werden kann. Diese Kreisverkehre findet man häufig in Wohngebieten und sie sind angebracht, um Lichtanlagen zu ersetzen.

kleiner kreisverkehr

Kernerplatz, Stuttgart. Bild von Thomas Kappel www.thomaskappel.de

2. Kleine Kreisverkehre

Durchmesser: 26 – 50 Meter

Kleine Kreisverkehre haben in der Regel keine überfahrbare Mittelinsel. Sie haben jedoch häufig eine überfahrbare abgesetzte innere Spur, damit größere Fahrzeuge die Kreisel dennoch passieren können.

Kleine Kreisverkehre mit einspuriger Verkehrsführung und entsprechend geringer Verkehrsbelastung schneiden in der Unfallforschung sehr gut ab. Diese Art von Kreisverkehr ist vor allem überall dort sinnvoll, wo wenig Fußgänger und Radfahrer auftreten, da ein Kreisverkehr vorrangig den Autofahrern mehr Sicherheit bietet.

sheikh zayed road

Sheikh Zayed Road, Dubai

3. Große Kreisverkehre

Durchmesser: Mehr als 40 Meter

Große Kreisverkehre sind meistens zwei bis dreispurig befahrbar. Sie dienen vor allem der großflächigen Verteilung von Verkehrsströmen und werden deshalb außerhalb geschlossener Ortschaften und in Großstädten angelegt.

In der Schweiz und in den Niederlanden findet man sogar Kreisverkehre auf Autobahnen, die einen Durchmesser von über 400 Meter haben. Große und mehrspurige Kreisverkehre verringern jedoch die Verkehrssicherheit, da häufige Spurwechsel auftreten.

Kreisverkehr in England: Das gibt es zu beachten

Der Magic Roundabout in Swindon, Südengland

Der Magic Roundabout in Swindon, Südengland

Kreisverkehre – Roundabouts genannt – sind in England beliebt und weit verbreitet. Und natürlich können sie im Land des Linksverkehrs zur kleinen Herausforderung für deutsche Autofahrer werden. Aber eigentlich ist es ganz einfach: Dem Linksverkehr folgend durchfährt man einen Kreisverkehr entgegen dem Uhrzeigersinn. Vorfahrt haben die von Rechts kommenden Autos. Links-vor-Rechts gilt im Roundabout also nicht. Geblinkt wird in englischen Kreisverkehren abhängig von der gewünschten Ausfahrt: Wer den Kreisverkehr direkt mit der ersten Ausfahrt verlässt, beginnt sofort zu blitzen. Wer die zweite Ausfahrt anvisiert, blinkt erst kurz zuvor. Fährt man im Mittelstreifen, blinkt man durchgehend rechts und setzt erst beim Verlassen den Blinker links.

Die Vorliebe der Briten für Kreisverkehre hat im südenglischen Swindon eine besondere Blüte geschlagen: Den Magic Roundabout. An einer vielbefahrenen Kreuzung wurde hier ein großer Kreisverkehr errichtet, an dessen Ein- und Ausfahrten fünf weitere kleine Kreisverkehre angebracht sind. Diese kleinen Zubringer-Kreisverkehre funktionieren wie eine Art Ventil, um das erhebliche Verkehrsaufkommen zu bewältigen. Mit Erfolg! Der Verkehr fließt seither viel flüssiger.

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